Kinder, Tod und Lebensfreude

Die Friedhofsgärtner Dortmund eG hat sich zum Ziel gesetzt, Kindern ab 3 Jahren zum einen für den Umgang mit Tod und Sterben zu sensibilisieren, zum anderen für die Arbeit der Friedhofsgärtner zu interessieren.

Dazu gehört auch, Kinder mit dem Ort 'Friedhof' vertraut zu machen. Eigene Kompetenzen und Erfahrungen werden ergänzt durch die enge Zusammenarbeit mit den Dortmunder Diplom-Kulturpädagoginnen Manuela Wenz und Birgit Mattern.

Ziel

Die Friedhofsgärtner fühlen sich über ihren Berufsstand hinaus verantwortlich, den gesellschaftlichen Prozess rund um den Umgang mit dem Tod mitzugestalten. Sie haben den Mut, sich einer neuen Trauerkultur zu stellen, aber auch gleichzeitig bewährte Traditionen zu bewahren.

Ihr Potential ist die Einbettung des Trauerprozesses in die Begegnung mit dem Zyklus der Natur: Denn die Grabgestaltung arbeitet mit Pflanzen, die ebenso wie wir Menschen dem Zyklus des Werdens und Vergehens in der Natur folgen. Das kann Trost beim Trauern spenden.

Die Trauerkultur in der Gesellschaft befindet sich momentan in einem großen Wandel: Zum einen verlieren Traditionen ihren Wert (Zunahme von Feuerbestattungen, der Friedhof als Ort verliert an Bedeutung, neue gesetzliche Bestimmungen) zum anderen gibt es einen großen Hunger der Menschen nach einer Form des Trauerns, die sowohl dem Toten als auch dem Verlust der Trauernden eine angemessene, würdige Dimension verleiht (mehr und mehr Hospize, individuelle Sargformen, Gräberfelder für Totgeborene, neue Rituale des Begrabens).

Zielgruppe

Kinder ab 3 Jahren gehören aus folgenden Gründen zur ausgewählten Zielgruppe:

  • Kinder werden den gesellschaftlichen Prozess zum Thema Trauer heute und zukünftig nachhaltig mitgestalten (Kinder sind die Zukunft).
  • Kinder werden leider von ihren Familien häufig vom Thema Tod ferngehalten („Ein Kind hat nichts auf einer Beerdigung zu suchen. Es ist noch zu klein.“). Kinder und ihre Trauer - ob über alltägliche Abschiede oder den Tod  - ernst zu nehmen, ist unabdingbar.
  • Kinder haben in der Regel einen unbefangenen Umgang mit dem Thema Tod und stecken damit ihre 'Familie' an, wenn sie direkt Fragen stellen über das, was kaum erklärbar ist.
  • Kinder haben auch einen unmittelbareren Zugang zu ihren Gefühlen - egal, ob es nun Traurigkeit, Wut oder Freude sind. Davon können Erwachsene lernen.

Dortmunder Netzwerk

Die Friedhofsgärtner Dortmund eG wünschen sich ein Netzwerk, in dem folgende Personen und Einrichtungen zusammenarbeiten:

  • unterstützende Einzelpersonen
  • Personen des öffentlichen Lebens und der Politik
  • Einrichtungen für Kinder wie Kindergärten, Schulen usw.
  • Organisationen, die sich in Dortmund mit dem Thema Tod beschäftigen, wie z. B. in Hospizen
  • interessierte Kirchengemeinden
  • Fachleute

Zahlreiche Synergieeffekte sind denkbar.

Langfristig ist außerdem eine Zusammenarbeit mit Bundesverbänden geplant, wie z. B. Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF), Verein zur Förderung der deutschen Friedhofskultur, Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal (AFD).

Modellprojekt im Kindergarten

Die Friedhofsgärtner Dortmund eG bieten unter kulturpädagogischer Leitung den Besuch auf dem nächstliegenden Friedhof für zunächst einen Kindergarten an. Der Friedhof bietet die Möglichkeit für die Kinder, sich unterschiedlich stark mit dem Ort auseinanderzusetzen (manche Kinder werden "nur" ein Eichhörnchen beobachten, manche werden fragen, warum Blumen auf dem Grab stehen, manche werden wissen wollen, ob es den Toten unter der Erde warm genug ist…).

Die Zusammenarbeit zwischen Erzieher/innen des Kindergartens und der Kulturpädagogin muss in Vor- und Nachbereitung sehr eng sein, denn gerade Kindergartenkinder brauchen einen vertrauten Rahmen und vertraute Personen, um sich zu öffnen.

Da besonders Kinder nicht nur kognitiv, sondern mit allen Sinnen lernen, werden Spiele und Einheiten im Mittelpunkt stehen, die kreativer Natur sind. Denkbar wäre eine Konzentration auf Naturmaterialien, um die Arbeit der Friedhofsgärtner (Natur als Trost) präsent zu haben. Anleihen aus der Kunstrichtung „Landart“ sind dabei denkbar.

In einer kleinen Runde von Experten aus dem 'Dortmunder Netzwerk' wird dann genau reflektiert und evaluiert, wie und ob das konzipierte Angebot optimiert werden kann. Das so optimierte Angebot wird dann in weiteren 'Runden' in weiteren Einrichtungen erprobt. Möglicherweise kann so das Dortmunder Modellprojekt 'Kinder, Tod und Lebensfreude' bundesweit wegweisend werden.

Über diese Führungen hinaus können auch weitere kulturpädagogische Projekte und Aktionen entstehen. Die Übertragbarkeit des Konzepts hängt jedoch von noch zu prüfenden Faktoren vor Ort ab.